BLECHBLÄSER


… was sind das eigentlich für Leute?

Ja, meine Damen und Herren, die Blechbläser, was sind das eigentlich für Leute?
Sind es wirklich die ungehobelten, ordinären und schlüpfrigen Typen, die in den Orchester-Witzen so oft und einfach beschrieben werden? –

Die Antwort ist: JA!

Keine Gruppe ist von so schlichtem Gemüt wie die Blechbläser. Aber diese Schlichtheit zahlt sich am Ende aus: Wer macht denn aus einem ereignislosen Streicher- und Holzgewurschtel noch ein krachendes Feuerwerk?
Na, das sind doch die Jungs von der Blechblas-Task-Force. Im Wein und im Blech liegt die Wahrheit und die finden Sie nicht überall, die Wahrheit. Auch nicht in den anderen Instrumentengruppen.
Ehrlich gesagt: Ich muss nicht zum unfreiwilligen Beobachter der qualvollen Klangerzeugung einer Oboe werden. Der unsägliche Anblick gequetschter Lippen mit einem Bluthochdruck-Gesicht. Das brauch ich nicht! Werfen wir mal einen Blick ins Orchester: Ganz hinten, hinter den Streichern, da sitzen sie, die Männer an ihren tollkühn zusammengeschweißten Maschinen.

Der SOLO-TROMPETER, das ist in den meisten Orchestern ein Frauentyp, ein Womanizer. Wie ein einsamer Adler zieht er seine Kreise in der viergestrichenen Oktave 1), in die ihm niemand folgen kann, außer der Piccoloflöte und dem Schellenkranz, die beide keine ernstzunehmenden Gegner sind. Mit seinem leichten, handlichen Instrument kann er jederzeit zum Angriff blasen und wird deshalb auch von militantem Teil der Bevölkerung hoch geachtet. Die einzigen Instrumente, die den Gehorsam verweigern, sind die Bratschen. Sie sitzen direkt am Schalltrichter und gelten als beschwerdefreudig.
Die Trompete ist die erotische Speerspitze des Orchesters. Auf Frauen übt der Trompeter einen geheimnisvollen Reiz aus. Offenbar werden durch die hohen Spitzentöne Glückshormone ausgeschüttet. Ein Trompeter hat durchschnittlich 200 bis 300 weibliche Anhänger.


Die TUBA-SPIELER, die sogenannten Tubisten, sind groß, stämmig, manchmal übergewichtig, rundum zufrieden mit sich und der Welt, und sie haben einen ausgeprägten Humor. Ich sage nur: "Vater unser, der TUBIST im Himmel!" Aber Vorsicht: Tubisten sind leidenschaftliche Hütchen-Spieler. Unter dem Schalltrichter halten sie manchmal kleinwüchsige Kollegen gefangen! Was kaum jemand weiß: Die meisten Tubisten sind im Kleinkind-Alter in einen Topf mit Zaubertrank gefallen. Es gibt allerdings eine schwache Stelle am Rücken. Wenn man da drückt, verlieren die Luft!

Das HORN ist ein Zwitterinstrument, sagt man. Dies gilt nicht für die Hornisten. Das Horn als Instrument ist eine Fehlkonstruktion. Da die freie Hand des Hornisten keinen festen Halt am Instrument findet, muss er sie in den Schalltrichter einführen. Was natürlich zu klanglichen Verlusten führt. Inzwischen hat man sich damit abgefunden, und der kehlige, verstopfte Klang wird international geduldet. Künstlerisch gesehen nehmen die Hornisten eine wichtige Funktion im Orchester ein: Durch auffällige Kiekser entlasten sie andere Gruppen und lenken die Kritiker ab.

POSAUNISTEN führen ein einfaches, aber glückliches Leben. Wenn der Zug ordentlich eingefettet ist, steht einer Konzertreise nichts mehr im Wege.

Zusammenfassend kann man sagen: Blechbläser im Allgemeinen küssen und trinken sehr gut. Streicher dagegen küssen sehr lasch und riechen aus dem Mund nach Kolophonium. Das tägliche Lippentraining zahlt sich aus, denn dem kräftigen Ringmuskel geht in der Kantine kaum ein Tropfen verloren. Keine andere Instrumentengruppe steht dem Kantinenwirt so nah.


Die Schläger und die Blechbläser, das sind die letzten Helden in Rüstung!

….. von Lars Reichow